Titelillustration: Dirk Wieczorek

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Grammatik zu Lektion 4 / gramatiko de leciono kvar


Das Zahlensystem

Das System der Numeralia (Zahlwörter) des Esperanto ist denkbar einfach und regelmäßig.


1) Kardinalia (Grundzahlen)

Die primitiven (d.h. nicht zusammengesetzten) Numeralia (Zahlwörter) des Esperanto lauten:

nul
unu
du
tri
kvar
kvin
ses
sep
ok
naŭ
dek
cent
mil
null
eins
zwei
drei
vier
fünf
sechs
sieben
acht
neun
zehn
hundert
tausend

Alle Kardinalia unter 1 Million sind unveränderlich, d.h. sie nehmen keine Plural- und keine Objektmarkierung an.

Hingegen sind (wie im Deutschen) Zahlwörter für große Zahlen normale Substantive:

milion/o
Million (1.000.000)
miliard/o
Milliarde (1.000.000.000)
bilion/o
Billion (1.000.000.000.000)

Eine Kardinale (unter 1.000) wird im Esperanto mit (bis zu) 3 Wörtern (Hunderter, Zehner, Einer) geschrieben:

824
okcent dudek kvar

Achtung: Schon Zahlen zwischen 11 und 19 bestehen aus 2 Wörtern:

12
19
dek du
dek naŭ

Nur Hunderter und Zehner werden also zusammengeschrieben, auch bei Zahlen ab 1.000:

428.581
kvarcent dudek ok mil kvincent okdek unu
(mil steht also immer isoliert!)

Bei 0 Hundertern/Zehnern werden diese Hunderter/Zehner natürlich gar nicht angegeben:

708.002
sepcent ok mil du

Bei 1 Tausender/Hunderter/Zehner entfällt unu der Kürze halber normalerweise:

1.111
 
unu mil unucent unudek unu
= mil cent dek unu

Größere Zahlen (ab 999.999) werden genau wie im Deutschen formuliert:

13.267.598
dek tri milionoj ducent sesdek sep mil kvincent naŭdek ok


2) Ordinalia (Ordnungszahlen)

Während man in anderen Sprachen eine Ordinale meist als eigene Vokabel lernen muss, ist sie im Esperanto einfach das zugehörige Adjektiv:

(nul/a,) unu/a, du/a, tri/a, ktp. horo ('nullte',) 'erste', 'zweite', 'dritte', usw. 'Stunde'

Schreibung größerer Ordinalzahlen

Empfohlen wird der Gebrauch von Bindestrichen:
mil-ducent-dek-tria 'tausendzweihundertunddreizehnt/er (-e, -es)'
Zulässig ist aber auch die Getrenntschreibung mit nur einem -a am Ende:
mil ducent dek tria 'tausendzweihundertunddreizehnt/er (-e, -es)'

Auch die Zusammenschreibung findet man manchmal bei kleinen Ordnungszahlen, wird aber wegen der schlechteren Lesbarkeit nicht empfohlen.


3) Zahladverbien

Ebenso einfach erhält man die Zahladverbien durch Anhängen der Adverbendung -e an die Kardinalia:

unu/e, du/e, tri/e, ktp. 'erstens', 'zweitens', 'drittens', usw.

Schreibung größerer Zahladverbien

Empfohlen wird der Gebrauch von Bindestrichen:
dek-trie 'dreizehntens'
Zulässig ist aber auch die Getrenntschreibung mit nur einem -e am Ende:
dek trie 'dreizehntens'

Auch die Zusammenschreibung findet man manchmal, wird aber wegen der schlechteren Lesbarkeit nicht empfohlen.


4) Zugehörige Substantive

Die aus den Kardinalia abgeleiteten Substantive bedeuten

Um eine Zahl zu bezeichnen, die keine Kardinale ist, verwendet man besser nombro 'Zahl':
Z.B. anstatt
la dek/sep/o 'die Siebzehn' besser: la nombro dek sep 'die Zahl Siebzehn'.

<4.4.0>


Höchststufe der Steigerung von Adjektiven

Für die Höchststufe bei der Steigerung der Adjektive und Adverben (Superlativ) wird plej 'am meisten' vor das betreffende Wort gesetzt:

Mia patrino estas pli malgranda ol mia patro, sed mi estas la plej malgranda.
Meine Mutter ist kleiner als mein Vater, aber ich bin am kleinsten.

Mia fratino estas pli aĝa ol nia bebo, sed mia frato estas la plej aĝa el ni ĉiuj.
Meine Schwester ist älter als unser Baby, aber mein Bruder ist der älteste von uns.

Per aŭto oni vojaĝas rapide, per trajno pli rapide, sed per avio plej rapide.
Mit dem Auto reist man schnell, mit dem Zug schneller, aber mit dem Flugzeug am schnellsten.

<4.3.4>

Siehe auch die Erläuterungen zur allgemeinen Steigerung der Adjektive.


Die Bedeutungen der Verbform <-as>

Die Verbform -as gibt an, dass die Handlung gerade stattfindet
(Tempus Präsens, siehe auch Verbformen des Präsens).

Sie wird aber auch verwendet

<4.4.5>


Die Bedeutung der Verbform <-is> (Tempus Präteritum)

Die Verbform -is gibt an, dass die entsprechende Handlung in der Vergangenheit stattfand.

Mehr wird zur Handlung nicht gesagt, weder ob die Handlung jetzt (noch) stattfindet, noch ob sie in der Vergangenheit abgeschlossen wurde, erfolgreich war, usw. Das müsste explizit gesagt oder aus dem Kontext erschlossen werden.

Hieraŭ mi legis interesan libron, ankaŭ hodiaŭ mi legas ĝin.
Gestern las ich ein interessantes Buch, auch heute lese ich es.

Lastan lundon oni riparis mian aŭton, sed la riparo estis malsukcesa.
Letzten Montag reparierte man an meinem Auto, aber die Reparatur war erfolglos.

<4.5.0>


Die Bedeutung der Verbform <-os> (Tempus Futur)

Die Verbform -os gibt die Annahme an, dass sich die entsprechende Handlung in der (nahen oder fernen) Zukunft abspielen wird.

Mehr wird zur Handlung nicht gesagt, weder ob die Handlung ganz sicher stattfinden wird, noch wann sie erwartet wird, noch dass sie erforderlich ist, usw. Das müsste explizit gesagt oder aus dem Kontext erschlossen werden.

Zur Beachtung: Im Deutschen wird statt des Futurs oft einfach die Gegenwartsform genommen, das ist im Esperanto nicht so.

Morgaŭ s-ro Bolte vizitos amikon.
Morgen besucht Herr Bolte einen Freund / wird ... besuchen.

Bonvolu forporti la rubujon! Bring bitte den Mülleimer weg!
Mi faros tion tuj. Ich mach' das sofort / ... werde das sofort machen!

<4.5.0>


Indirekte Rede

Grundregel: Die indirekte Rede lässt die Verbform (also auch die Zeitangabe) der direkten Rede unverändert.

Im Deutschen steht bei der indirekten Rede der Konjunktiv:
Er sagte: "Ich komme morgen." => Er sagte, dass er morgen käme.

Im Esperanto bleibt einfach dieselbe Zeitform:
Li diris: "Mi venos morgaŭ." => Li diris, ke li venos morgaŭ.

La patro diris al la filo: "Legu tiun ĉi libron!" => La patro diris, ke la filo legu tiun ĉi libron.
Der Vater sagte zum Sohn: "Lies dieses Buch!" => Der Vater sagte, dass der Sohn dieses Buch lesen solle.

La lernanto informis la instruiston: "Mi ne venos, ĉar mi estas malsana."
=> La lernanto informis la instruiston, ke li ne venos, ĉar li estas malsana.
Der Schüler teilte der Lehrperson mit: "Ich werde nicht kommen, da ich krank bin."
=> Der Schüler teilte der Lehrperson mit, dass er nicht käme, da er krank sei.

Das ist also sehr leicht. Schwieriger ist es zu unterscheiden, wann überhaupt indirekte Rede vorliegt. Nun, nach Verben die eine mündliche Äußerung wiedergeben, ist das natürlich einwandfrei der Fall. Indirekte Rede liegt aber auch vor, wenn die Äußerung nur gedacht, geahnt, usw. wird. In Zweifelsfällen kann man indirekte Rede dadurch erkennen, dass auch eine Umformulierung mit direkter Rede möglich ist:

Udo fürchtete, dass Brunos Eltern diesen nicht erkennen würden.
Probe: Udo fürchtete: "Brunos Eltern werden ihn nicht erkennen."

Udo timis, ke la gepatroj de Bruno ne rekonos tiun.

<4.7.0> <5.13.0>


<-n> als Markierung der Richtung

Nach Präpositionen steht im Esperanto normalerweise das folgende Substantiv oder Pronomen in der Grundform (siehe in der Grammatik zu Lektion 1).

Aber:
Bei vielen Präpositionen können eine Angabe des Ortes (wo?) und eine Angabe der Richtung (wohin?) unterschieden werden.

Bei Angaben des Ortes (wo?) steht dann wie üblich die Grundform.

Die Richtung (wohin?) wird hingegen durch eine Markierung -n angezeigt, die an die Grundform angehängt wird.

Beispiele:

La muso sidas en la domo. => La muso kuras en la domon.
Die Maus sitzt in dem Haus. (wo?) => Die Maus rennt in das Haus. (wohin?)

La muso sidas antaŭ la lito. => Nun la muso kuras sub ĝin.
Die Maus sitzt vor dem Bett. (wo?) => Jetzt rennt die Maus darunter (wörtlich: unter es). (wohin?)

Nicht betroffen sind Präpositionen, die gar keinen Ort oder nur eine Herkunft (woher?) angeben. Ferner auch nicht solche Präpositionen, die ausschließlich eine Richtung angeben (wie z.B. al 'zu', 'nach' und ĝis 'bis').

Die Richtungsmarkierung -n erhalten auch:

<4.8.0>


<...'> Gebrauch des Auslassungszeichens (Apostroph)

Für den Gebrauch des Auslassungszeichens gibt es nur zwei Regeln:

1) Bei Substantiven in der Grundform darf man das -o am Ende weglassen und dafür (wie im Deutschen) ein Auslassungszeichen (Apostroph) setzen.

Aber beachten: Die Betonung bleibt unverändert!
So erhält man endbetonte Gedichtszeilen oder allgemein in manchen Fällen einen gefälligeren Satzrhythmus.

2) Ferner darf das -a des bestimmten Artikels la durch ein Auslassungszeichen ersetzt werden,
Das kann ebenfalls den Rhythmus verbessern oder auch eine Silbe zu sparen.

Sonst darf nichts wegfallen, zum Beispiel keine Plural- und Objektform-Endungen!

Beispiele:

la ĉapelo de la sinjoro der Hut des Herrn
= la ĉapel' de l' sinjor'

Ĉe la puto antaŭ la pordo ... Am Brunnen vor dem Tore ...
= Ĉe l' puto antaŭ l' pordo ...

(Aus einem norddeutschen Volkslied)
La bovin' de l' pastor'
Kantu ĝin, kantu ĝin,
nun la kanton de l' bovin',
de l' sinjor', la pastor',
kantu pri l' bovin'!
Härn Pastoor sine Kau
Sing men tau, sing men tau,
von Härn Pastoor sine Kau, jau, jau!
Sing men tau, sing men tau,
von Härn Pastoor sine Kau!

<4.10.1> <8.12.0>


Die Bedeutungen der Verbform <-us>

Die Verbform -us wird verwendet, wenn

Beachten Sie im letzten Beispielsatz:
Die -us-Form gibt keine Zeit an. Dass die Handlung sich in diesem Beispielsatz in der Vergangenheit abspielt, sieht man nur an dem Zeitadverb hieraŭ.

Grundsätzlich kann die genannte Handlung in der Gegenwart, der Vergangenheit oder Zukunft sein:

Der Satz
Se ne pluvus, mi venus.
kann bedeuten:
Wenn es nicht regnete, käme ich. (Gegenwart)
Wenn es nicht geregnet hätte, wäre ich gekommen. (Vergangenheit)
Wenn es nicht regnen würde, käme ich / würde ich kommen. (Zukunft)

<4.12.0>


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